Vielfalt zeigen mit Storytelling!

 

Wir sind alle Geschichtenerzähler. Wir erzählen vielfältige Geschichten in den unterschiedlichsten
Kontexten und Bereichen unseres Lebens. Durch den Prozess des „Storytellings“ können wir uns mit
anderen Menschen und ihren vielfältigen Biografien verbinden sowie Brücken zu ihren Geschichten
bauen. Auf diese Weise kann „Storytelling“ als ein Weg zur Chancengleichheit hin betrachtet werden.
Der Geschichtenerzähler David Heathfield wendet sich bewusst dem „Geschichtenerzählen für eine
bessere Welt“ (nach Jean Maley, Nik Reachey) zu. Dabei orientiert er sich an Geschichten aus
verschiedenen Kulturen (Indien, Afrika, arabischer Raum) und strebt es an, die Empathie der
Zuhörer/Innen zu fördern. In diesem Kontext werden in seinen Geschichten schwerpunktmäßig
solche Themen wie Ungerechtigkeit, Ungleichheit behandelt. Diese Bereiche haben durch alle
Zeitepochen hinweg ihren Stellenwert und berühren die Menschen nach wie vor. In dem wir uns
öffnen für Geschichten, die uns vorher nicht bekannt waren und unter Umständen gemeinsame
Fortsetzungen erfinden, verbinden wir Kopf, Herz und Geist. Dies stellt die Basis für ein
wertschätzendes Miteinander, auch in pädagogischen, unterrichtsrelevanten Kontexten dar. Dadurch
werden ein direkter, unvoreingenommener Kontakt sowie die Beseitigung von Missverständnissen
ermöglicht.


‘Stories alert us to the possibilities of betterment. Not necessarily because they have happy endings.
Old folktales don’t. But because the story evokes in the listener an ‘if only’ response, jolting us into
the awareness that life could be different, both for better and for worse. We are reminded of
alternatives. Our attention is directed towards the unexplained and the unexpected. In stories a
known situation functions as the starting point for an exploration of the not-yet known, that which
surprises and maybe frightens us. Through listening to the ancient tales we are offered increased
knowledge of various ways to approach the unfamiliar. What we do with this knowledge is for us to
decide.’ (David Heathfield)


Nach David Heathfield können Geschichten zu einer besseren, im Sinne einer gerechteren, Welt
beitragen. Im Gegensatz zu vielen Volksmärchen können WIR als Geschichtsurheber eigene
Geschichtsverläufe und vor allem Geschichtsausgänge erfinden. Darin liegt der Schlüssel für ein
anerkennendes und gleichwertiges Miteinander, unabhängig vom kulturellen, religiösen oder
sonstigen Hintergrund. Zusätzlich kann auf diese Weise eine Stärkung des Selbstwertgefühls
stattfinden. Durch die Weitergabe und das Teilen des individuellen Wissens-/ Erfahrungsschatzes,
können ein selbstständig initiierter und durchgeführter Lernprozess sowie Kreativität und
Entdeckungsfreude in Gang gesetzt werden.


Gerade in unterrichtsspezifischen Kontexten kann das „Storytelling“ als ein bereicherndes und
zusammenführendes Werkzeug eingesetzt werden. Damit können Schüler/Innen unabhängig von der
Familiensprache zu ihrer eigenen, individuellen Identität zurückkehren. Verständnisblockaden
können, durch leichte Verständlichkeit der interkulturell geprägten Geschichten und Märchen, leicht
beseitigt werden. Der interaktive, spielerische Charakter lässt die Kinder und Jugendlichen
erfinderisch werden und sie in eine Fantasiewelt eintauchen, die sie, indem sie sie erfinden, in die
Realität umsetzen können. Dabei leisten mentale Bilder, Metaphern und Dramatik einen besonderen
Beitrag zu dem Prozess der Geschichtsentwicklung. Die Zugänge zum Storytelling können, als
Anregung der Vorstellungskraft, laut David Heathfield vielfältig sein. Es sind folgende kreative
Anwendungsmöglichkeiten denkbar: „Freeze, Improvisation, das Geschenk, Gedicht, Lied, Botschaft,
Kunstwerk, Bewegung oder Tanz“. Nach Keith Johnstone soll es den Schüler/Innen ermöglicht
werden, sich mit der Botschaft der Geschichten zu verbinden: „It`s the decision not to try to control
the future which allows students to be spontanous.“ (Heathfield, David: Creative Language Learning,

 

Storytelling und Drama Activities in the Classroom for Confidence and Fluency, IGS Kronsberg, 2018)“.
Ein Beispiel dafür stellt das Märchen aus dem türkisch-islamisch beeinflussten Raum - Hodscha
Nasreddin: „Borrowing the pan“ dar. Das Ziel der Integration von Geschichten in die
Schulgemeinschaft ist vor allem die Toleranzförderung innerhalb der Schüler/Innen: „Storytelling is a
key feature of improvisaton. When we are improving , we naturally make sense of what we are doing
by constructing stories.“(Heathfield, David: Creative Language Learning, Storytelling und Drama
Activities in the Classroom for Confidence and Fluency, IGS Kronsberg, 2018)“. Damit kann das
Geschichtenerzählen zu einem Umdenken und Bewusstwerden bei den Schüler/Innen beitragen und
einen weitgehenden Einfluss auf den Umgang untereinander haben.


Ganz im Sinne des Konzeptes des Storytellings steht das Erasmus+ Project: ME AND YOUR STORIES
(MYS), das 2019 im Rahmen eines europäischen Seminars in Berlin vorgestellt wurde und bis 2022 an
Schulen der Partnerländer: Österreich, Deutschland, Großbritannien, Slowakei und Rumänien
implementiert werden soll. Das Ziel dieses Projektes ist die „Entwicklung und Implementierung des
multiperspektivischen inklusiven Storytelling-Tools MYSunderstood an Schulen sowie die Vernetzung
mit politischen Entscheidern zur Förderung von inklusiver Bildung in den Schulen und von echter
Teilhabe Aller an der Klassen-/ Schulgemeinschaft in den teilnehmenden Ländern und Europa.“
(Erasmus+ Project oft he European Union: Me and Your Stories (MYS), 2019). Durch
„MYSunderstood“ sollen die Schüler/Innen mit ihren unterschiedlichen Biografien in stärkeren
Kontakt und Austausch miteinander treten. Auf diese Weise soll „die Entdeckung gemeinsamer
Werte“ sowie „individualisiertes Lernen“ (Erasmus+ Project oft he European Union: Me and Your
Stories (MYS), 2019) gestärkt werden. Durch unterschiedliche digitale Werkzeuge", die den
Schülern/Innen zur eigenständigen Erkundung zur Verfügung gestellt werden, können sie in kleinen,
diveren Gruppen in einen interaktiven und multimedialen Austausch treten. Dabei liegt der Fokus
jedoch nicht wie bei dem Kerngedanken des Storytellings auf „meiner Perspektive auf meiner
Geschichte“, sondern auf „meiner Perspektive auf eure Geschichten" und "eure Perspektiven auf
meiner Geschichte" (Erasmus+ Project oft he European Union: Me and Your Stories (MYS), 2019). Im
Zentrum dieses gemeinsamen Erarbeitens und gegenseitigen Kennenlernens soll die Vielfältigkeit
und die Bereicherung durch die Unterschiedlichkeit der jeweiligen Sichtweisen stehen. Daraus
entwächst ein Pool an vielfältigen Möglichkeiten und ungeahnten, unter Umständen bisher nicht
geförderten Talenten. Dieses Projekt bietet noch vielfältigere, vertiefende Möglichkeiten der
Anwendungsgebiete des Geschichtenerzählens in seinem ursprünglichen Sinne. Der Fokus verschiebt
sich noch intensiver auf die Fremdwahrnehmung durch den eigenen Blick. Es baut auf die
Bedingungen der modernen Jugendkultur auf und nimmt auf „lokaler, regionaler und nationaler
Ebene“ (Erasmus+ Project oft he European Union: Me and Your Stories (MYS), 2019) Einfluss auf
politische Entscheidungsträger und Behörden.

 

Storytelling

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